Trennung des Gebiets oder des Rechtssystems die Lösung?

Compact

Compact-online referiert einen Aufsatz des fanzösischen Professors Christian de Moliner etwas unglücklich.(1) Tatsächlich ist der Artikel von Christian de Moliner(2) etwas widersprüchlich bzw. nicht ganz verständlich. Einerseits heißt es im Titel “Teilen wir Frankreich, um den Bürgerkrieg zu verhinden” (Untertitel: “Die Teilung – das Mittel gegen die Islamisierung”). Andererseits fragt de Moliner im Artikel dann, “warum nicht ein doppeltes Rechtssystem installieren?”

Auf der einen Seite sagt Moliner, habe es zu allen Zeiten der Lösung von Konflikten gedient, wenn zwei Ethnien, die sich nicht mehr ertragen, territorial getrennt werden. Als Beispiele führt er den Bevölkerungsaustausch der Griechen und Türken 1922, Sudan/Süd-Sudan und Zypern an. (Eine weitere Methode, die Ruhe wieder herzustellen, bestünde aber darin, so de Moliner, Regierungen zu bilden, an denen die Bevölkerungsgruppen proportional beteiligt sind; als Beispiele nennt er den Libanon, Nord-Irland und Neu-Kaledonien. Dafür bräuchte es aber ein Mindestmaß an gemeinsamen Werten.) Auf der anderen Seite sagt de Moliner dann klipp & klar: “Vollständige gebietsmäßige und politische Trennung ist unmöglich. Eine lebensfähige Nation kann nicht auf der Grundlage von moslemischen Gettos ohne geografische Einheit gebildet werden.”

An dieser Stelle bringt Christian de Moliner das koloniale Algerien mit seinem doppelten Rechtssystem ins Spiel, das er als Lösung des Problems offenbar favorisiert. Das System habe ohne größere Probleme von 1890 bis 1940 in Algerien funktioniert.

Dieses Beispiel und historische Vorbild (er zieht auch das von La Mayotte heran) – und nicht die gebietsmäßige Teilung – scheint, so de Moliner, die einzige, der derzeitigen Lage angemessene Lösung zu sein: ein Territorium, eine Regierung, aber zwei Völker: die Franzosen mit ihren Gesetzen und die Moslems, die ein besonderes, koranisches Statut haben.

Das steht, wie gesagt, im Widerspruch zum wahrscheinlich von der Redaktion unglücklich gewählten Titel “Teilen wir Frankreich”. Aber es ist offensichtlich, daß de Moliner wohl eine Teilung bzw. eine Verdoppelung des Rechtssystem meint und nicht die von Territorium, Wirtschaft usw.

Wenn Paula Varga schreibt, daß “nach Meinung des Professors die Lösung darin [bestünde], Frankreich in zwei Staaten zu unterteilen: Einer mit französischem Gesetz, der andere mit Scharia-Gesetz”, dann stimmt das nicht ganz mit der Aussage von de Moliner überein, und Paula Varga fragt dann auch etwas verunsichert und zurecht: “Eine Parallelgesellschaft also?” – Ja, auf diesen Begriff läßt sich de Moliners Vorschlag bringen.

Paula Varga: “Der Professor will also vor 30 Prozent der Muslime in Frankreich kapitulieren und ihnen ein Teil des Landes abtreten.” Nein, das ist ausdrücklich nicht, was de Moliner sagt.

Wer wissen will, wie eine parallele Rechtssprechung, wie sie sich de Moliner für das Mutterland Frankreich vorstellen kann, aussieht, der schaue sich die Praxis auf La Mayotte an. Dort spricht nämlich, zumindest für den moslemischen Anteil der Bevölkerung, der Kadi Recht, wenn sich Streithähne vor selbigen zerren.(3)

(1) https://www.compact-online.de/franzoesischer-professor-schlaegt-teilung-frankreichs-vor-in-einen-scharia-und-einen-laizistischen-staat/
(2)
http://www.causeur.fr/partition-islam-charia-algerie-147743
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Mayotte#Rechtsstellung

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